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Ausgabe 02/2017

Präsident auf der Langstrecke

PORTRÄT. Klaus Hübner, Kammer- und ÖGSW-Präsident, feiert im Mai sein 25-jähriges Jubiläum an der Spitze der ÖGSW – als Meister des Ausgleichs hält der ehemalige Hürdenläufer viele Rekorde. Von Karin Pollack

Es ist alles eine Frage der Einteilung. „Der Rückruf steht ganz oben auf seiner Liste, er hat viele Termine“, sagt seine Sekretärin geduldig am Telefon. Sie hat ein Auge auf Klaus Hübners Kalender und weiß, dass er anstehende Dinge erledigt: Immer zur rechten Zeit, allerdings selten zu früh. Klaus Hübner ist sich natürlich bewusst, dass er sein Amt als Präsident der ÖGSW im Mai vor 25 Jahren angetreten hat, er weiß auch, dass dies ein Anlass zum Feiern ist, doch zu viel Aufmerksamkeit und zu viel Ehre mag er nicht so sehr. „Das Gestalterische und der Interessenausgleich ist mir wichtig“, sagt er lapidar und so schnell, dass Menschen, die sein Sprechtempo weniger gewohnt sind, es vielleicht gar nicht verstanden hätten. Warum er seine Funktion nach so langer Zeit immer noch mit so viel Elan ausübt? „Ein bisschen Sinn braucht das Leben ja auch“, sagt Hübner, und ja, tatsächlich mache es ihm große Freude zu sehen, wie sich der Berufsstand und seine Fraktion entwickelt haben und das Image der Steuerberater in der Öffentlichkeit sehr gut ist. Als er sein Amt in der Kammer antrat, stand zum Beispiel noch „Parteienverkehr“ am Eingang, „Service“ war in der Branche damals noch ein Fremdwort. Als Ärmelschoner sieht den Berufsstand heute niemand mehr, vielmehr verkörpert er einen modernen Berufsstand. „Da haben wir viel erreicht“, sagt er, den viele als „political animal“ bezeichnen, stolz.

Begeisterter Hürdenläufer

Klaus Hübner, geboren am 9. November 1952, kommt aus einer Steuerberaterfamilie. Er wuchs im 14. Wiener Bezirk auf, besuchte das Gymnasium in der Diefenbachgasse und war begeisterter Leichtathlet. Als Wiener Juniorenmeister über   400 Meter und 400 Meter-Hürden, später Präsident des Wiener Leichtathletikverbandes und Miterfinder des Wien Marathons, entschied er sich nach der Matura für ein BWL-Studium. Als der Vater überraschend starb, übernahmen er und sein Bruder die Kanzlei mit 15 Mitarbeitern. „Ein Sprung ins kalte Wasser“ nennt er es. Doch die beiden entwickelten abseits des Kerngeschäfts eine Vision. „Marketing und Mitarbeiterführung waren damals Fremdworte in der Branche“, erinnert er sich, und genau deshalb eine Lücke, die es zu füllen galt. Die „Höhenflugseminare“ der Brüder Hübner waren legendär und veränderten das Selbstbild des Berufsstandes nachhaltig. Als ÖGSW-Präsident mit Servicegedanken war für Klaus Hübner von Anfang an das Weiterbildungsangebot für die Kollegenschaft eine tragende Säule. „Steuerrecht ist eine Reflexion  auf die Gesellschaft, in der wir leben“, sagt er und verweist auf die Komplexität in der Steuergesetzgebung. Als leidenschaftlicher Europäer war er 1993/94 als Präsident der Europäischen Steuerberater mit der Integration der Länder des ehemaligen Ostblocks engagiert, wurde Zeuge der Globalisierung.

Konfliktmanagement und Mediation

„Die Gesetzgebung ist in einem Maße komplex, ja hypertroph geworden, sodass wir, wenn wir auf diese Weise weitermachen, auf beiden Seiten kollabieren“, warnt Hübner, der nicht müde wird, im Finanzministerium bei sämtlichen neuen Gesetzesvorlagen darauf hinzuweisen. „Interessenausgleich braucht auch eine gewisse Leidensfähigkeit“, weiß er und ist immer wieder froh, vor 15 Jahren ein Postgraduate-Studium für Konfliktmanagement und Mediation an der Universität Klagenfurt absolviert zu haben. Früher, sagte Hübner, waren Pflichterfüllung, Ehrenamtlichkeit und ein nahezu übermenschliches Arbeitspensum bewundernswerte Eigenschaften, die auch seine Mentoren, Franz Burkert und Eberhard Wobisch, auszeichneten. „Die Werte haben sich gewandelt, für die junge Generation ist die Work-LifeBalance wichtig – und dieser Wunsch ist zu respektieren“, sagt er. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht er darin, die richtigen Leute an die passenden Positionen zu bringen und als Team zusammenzuspielen. Das kann er, sagen seine Weggefährten. „Es geht ihm stets um Ausgleich, nicht darum, seine Ideen mit der Brechstange durchzusetzen“ sagt Wobisch, der auch Hübners Kritikfähigkeit als selten gewordene Qualität schätzt. „Er erwartet Offenheit und Ehrlichkeit und versteht Kritik nicht als Angriff, sondern Anregung.“ Sabine Kosterski, Generalsekretärin der ÖGSW, schätzt Klaus Hübners offenes Ohr für die Sorgen seiner Mitarbeiter und seine Art, mit Menschen stets auf Augenhöhe zu sprechen. Was Klaus Hübner gar nicht mag? „Arroganz“, sagen Kosterski und Wobisch wie aus der Pistole geschossen.  Wahrscheinlich weil Arroganz auch seinem Sportgeist widerspricht. Die Leichtathletik mitsamt seiner Funktionärstätigkeit hat Hübner längst hinter sich gelassen, seine Begeisterung für den Sport flammt allerdings regelmäßig während der Olympischen Spiele auf. „Ich wollte ja früher eigentlich Sportreporter werden“, lacht er. Heute ist er nur mehr aktiver – „aber schlechter“ – Golfer.  

Guter teamplayer und one-man-show seit 2010

Auch die Kanzlei mit seinem Bruder ist mittlerweile ein abgeschlossenes Kapitel. Im Jahre 2010 – Hübner & Hübner hatte 500 Mitarbeiter an zehn Standorten – startete er einen Neuanfang als „One-Man-Show“, wie er sagt. Er konzentrierte sich voll und ganz auf die Beratung und Verteidigung im Finanzstrafrecht. Sein Büro ist von Hübner & Hübner getrennt, aber weiterhin über Wiens ehemaliger bester Diskothek, dem U4 in Meidling. Nur so ganz One-Man, sagt er verschmitzt, sei er nicht, und bringt seine Frau ins Spiel. „Sie kennt mich länger als ich sie, ich habe sie seinerzeit als Steuerberaterin angelobt“, sagt er, aber erst Jahre später wirklich kennengelernt. Sie ist seine dritte und letzte Frau, sagt Hübner. Seine insgesamt fünf Kinder leben verstreut. Drei seiner Söhne leben in den USA. Einer ist Genforscher, einer ist Zahnarzt und der dritte noch am College. Hübners älteste Tochter ist 34 Jahre und arbeitet als Übersetzerin, und sein „Nesthäkchen“ ist gerade einmal 14 Jahre alt. Und ja, man trifft sich, in Velden oder Mallorca, um gemeinsam Urlaub zu machen, so wie das in Patchwork-Familien eben ist. Seine Begeisterung für die ÖGSW, seine berufspolitische Heimat, ist fast so groß wie die für seine Kinder. „Ich bin dankbar, dass ich schon zwölf mal wiedergewählt wurde“, sagt er und freut sich über das anhaltende Vertrauen, auch wenn im heutigen Vorstand niemand mehr sitzt, der bei seiner Erstwahl dabei war. „Aber übertreiben dürfen wir mit der Fraktionitis nicht, dazu ist unser Berufsstand zu klein“ – er ist halt immer auf Ausgleich aus. Klaus Hübners Ziele für die nächsten Jahre: „Mein Mandat in der Kammer läuft bis Frühjahr 2020“, inhaltlich wird er seinen Fokus auf die Digitalisierung, Steuervereinfachungen sowie exzellente Fortbildungsseminare richten, so Hübner. Der ehemalige Hürdenläufer bleibt sportlich für Herausforderungen. Alles andere würde ihm nicht entsprechen.    

Erscheinungsdatum:

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