ÖGSW
Österreichische Gesellschaft der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

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Klaus Hübner, Präsident der ÖGSW

ÖGSWissen

Schwerpunkt: Betriebswirtschaft in Handwerk und Bau


ZUM AUTOR
Mag. Klaus
Gaedke ist
Steuerberater,
Unternehmensberater
und allgemein
beeideter
und gerichtlich
zertifizierter Sachverständiger
klaus.gaedke@gaedke.co.at

UNTERNEHMEN. Über betriebswirtschaftliche Ansätze und eine Einführung in die Kennzahlensystematik. Von Klaus Gaedke

Ein wesentlicher Anteil unserer Klienten ist im Bereich Handwerk und Bau tätig. Wir betreuen diese in den Bereichen Buchhaltung, Personalabrechnung, Jahresabschluss und Erstellung der Steuererklärungen und beraten in steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Agenden. Dieser Artikel beschäftigt sich mit ausgewählten Branchenkennzahlen und soll betriebswirtschaftliche Beratungsansätze aufzeigen. Zuvor grundlegende Informationen zur Zielgruppe und zum Thema betriebswirtschaftliche Beratung sowie eine Einführung in die Kennzahlensystematik. Der Wirtschaftsbereich Gewerbe, Handwerk und Bau lukriert einen jährlichen Umsatz von rd. EUR 87 Mrd. und trägt damit mit rd. 22% zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt bei. Die Investitionstätigkeit schlägt sich mit rd. EUR 3,7 Mrd. jährlich nieder. Insgesamt umfasst der Bereich Gewerbe und Handwerk rd. 224.000 Betriebe mit rd. 614.000 unselbständig Beschäftigten, wie aus Abbildung 1 ersichtlich. Eine exakte Abgrenzung zwischen den Wirtschaftsbereichen Gewerbe und Handwerk ist nur schwer möglich, die Übergänge zueinander sind fließend. In der umfassenden Betreuung von Klienten nimmt die betriebswirtschaftliche Beratung einen wesentlichen Stellenwert ein. Das schafft Umsatzpotentiale, die viel zu oft, auch aus zeitlichen Aspekten, nicht verwertet werden. Zunächst gilt es, sich einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Zielunternehmens zu verschaffen. Das Rechnungswesen liefert viele Einzeldaten, die auf einen Blick nicht ohne weiteres überschaubar sind. Daher ist es notwendig, die Einzeldaten vergangenheits- und in weiterer Folge auch gegenwarts- und zukunftsorientiert zu aussagekräftigen Größen zusammenzufassen. Wie aus der nachfolgenden Darstellung ersichtlich, kommt den Kennzahlen im Unternehmenszeitablauf besondere Bedeutung zu.

 

Vergangenheitsorientierte Daten

In der Regel werden die vergangenheitsorientierten Daten im Rahmen einer Jahresabschlussanalyse zusammengefasst. Ausgewählte Kennzahlen stellen die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage des Unternehmens im Zeitvergleich dar und können in weiterer Folge den Vergleichsdaten der Branche (siehe Tabelle 1 und 2, entnommen aus den Branchenkennzahlen KMU Forschung Austria) gegenübergestellt werden. Dies erhöht die Aussagekraft der ermittelten Kennzahlen und ist neben der Analyse der betriebsinternen Kennzahlen im Zeitvergleich Ausgangspunkt für entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der eigenen Kennzahlen. Für die tägliche Praxis bietet es sich an, eine Jahresabschlussanalyse mit und ohne Kennzahlenteil anzubieten, da speziell bei kleineren Unternehmen ein umfassender Kennzahlenteil entbehrlich ist. Bei den Einnahmen-Ausgaben- Rechnern reduziert sich die Analyse in der Regel auf Kennzahlen zur Ertrags und Finanzlage. In diesem Zusammenhang bietet sich eine erweiterte Cashflow- Rechnung unter Berücksichtigung etwaiger privater Zahlungsverpflichtungen des Einzelunternehmers an. Die gängigen Kanzlei-Software-Lösungen bieten Kennzahlenauswertungen auf Basis der Jahresabschlussdaten an, bei umfassenden Kennzahlenanalysen inkl. grafischer Umsetzung von Einzelpositionen ist eine Jahresabschlussanalyse auf Microsoft-Excel-Basis empfehlenswert.

Gegenwartsorientierter Status

Der gegenwartsorientierte Status wird in der Regel durch Auswertungstools der Finanzbuchhaltungsprogramme abgedeckt. Die kurzfristige Erfolgsrechnung gilt als maßgebliches Instrument des (Vor-)Monats-, Jahres- und Soll-/Ist-Vergleiches und liefert umfassende Informationen zur Ertragsentwicklung des Unternehmens. Zwischenabschlüsse sollten vor allem bei größeren Unternehmen in regelmäßigen Abständen, in der Regel quartalsweise, durchgeführt werden. Für einzelne Umsatz- und Aufwandspositionen bieten sich Sonderauswertungen mit Vergleichsgrafiken an. Die Kostenrechnung ist ein wesentliches Instrument zur Steuerung des Unternehmens und als fester Bestandteil des betrieblichen Rechnungswesens aus dem Unternehmensalltag nicht wegzudenken. Trotz dieser Notwendigkeit ist in vielen Handwerksbetrieben noch keine Kostenrechnung eingeführt, da in den meisten Fällen Unsicherheit bezüglich des Arbeitsaufwandes besteht und Lösungsansätze für eine praktikable Kostenrechnung etwas schwieriger zu definieren sind. Mit der notwendigen Struktur und einer Vorbereitungsphase kann die Kostenrechnung jedoch relativ leicht eingeführt werden und so zum zukünftigen Erfolg beitragen.

Systematisch ist folgende Vorgehensweise empfehlenswert:

  • Zieldefinition – wozu wird die Kostenrechnung benötigt und welche Aussagen sollen damit getroffen werden?
  • Analyse des vorhandenen Zahlenmaterials (welche Aufwände müssen bereinigt, welche zusätzlich angesetzt werden?)
  • Konzeption der Kostenrechnung (Kostenstellen, Kostenträger, Kostenarten etc.)
  • Umsetzung und Beurteilung bzw. Anpassung

Zukunftsorientiertes Controlling

Die Planungsrechnung als zukunftsorientiertes Controllinginstrument basiert auf vergangenheits- und gegenwartsorientierten Daten. Diese werden um wirtschaftliche Überlegungen der Unternehmensführung für die nächste(n) Periode(n) ergänzt. Die Planungsrechnung dient als Steuerungs- und Kontrollinstrument und ist maßgeblich für die Weiterentwicklung und damit für den Fortbestand des Unternehmens. Auch die finanzierenden Bankinstitute unterstreichen die Notwendigkeit der unternehmerischen Planung - das Vorliegen einer Planungsrechnung fließt in die Bewertung des Unternehmens und damit in das Rating ein. Sofern keine integrierte Planungsrechnung erstellt wird, sollte jedenfalls ein unterjähriges Leistungsbudget erarbeitet und mit dem Klienten besprochen werden. Der monatliche Buchhaltungsbericht beinhaltet dann zusätzlich und automatisiert einen Soll-/Ist-Vergleich.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Die Kennzahlen, die im Zuge der betriebswirtschaftlichen Analyse gewonnen werden, können nach verschiedenen Kategorien gegliedert werden. In der Regel werden Kennzahlen in folgende Bereiche zusammengefasst (siehe Tabelle unten).

Investitions- und Finanzierungsanalyse

Im Rahmen der Investitions- und Finanzierungsanalyse werden Vermögensund Kapitalstruktur des Unternehmens durchleuchtet. Insbesondere werden hier die Kennzahlen Anlagenintensität, Eigenkapitalquote und Anlagendeckungsgrad II dargestellt. In der Regel werden produktionsintensive Handwerks- und Bauunternehmen eine höhere Anlagenintensität aufweisen, was sie im Vergleich mit anderen Unternehmen weniger flexibel macht, da dies mit einer hohen Kapitalbindung verbunden ist. Hohe Umlaufvermögenintensität wiederum kann ein Indiz für mangelhafte Lagerpolitik, schlechte Kundenzahlungsmoral oder auch schleppendes Mahnwesen sein. Diese Kennzahl ist im internen Betriebsvergleich im Zeitablauf zu analysieren. Die Eigenkapitalquote liegt bei herstellenden Unternehmen bei rd. 35% und bei Bauunternehmen bei rd. 27%3. Der Anlagendeckungsgrad II sollte grundsätzlich den Wert von 100% deutlich überschreiten. Werte unter 100% bedeuten, dass Teile des Anlagevermögens mit kurzfristigem Fremdkapital finanziert sind, wodurch Liquiditätsschwierigkeiten entstehen.

 

Liquiditätsanalyse

Kennzahlen der Liquiditätsanalyse sind unter anderen der Cashflow in Prozent der Betriebsleistung und die Schuldentilgungsdauer. Diese werden in den nachfolgenden Tabellen für ausgewählte Branchen der Bereiche Handwerk und Bau dargestellt. Der Cashflow in Prozent der Betriebsleistung der Top-Betriebe der Branchen Handwerk und Bau liegt im Durchschnitt zwischen 12% und 31%. Die Schuldentilgungsdauer liegt im Durchschnitt zwischen sechs Monaten und 2,3 Jahren. Kennzahlen zu Umschlagshäufigkeiten (Kunden, Lieferanten) sind jedenfalls einmal jährlich im Zuge der Jahresabschlussanalyse im Mehrjahresvergleich zu analysieren. Im Rahmen der Branchendaten, die in gegenständlichem Artikel herangezogen wurden, stehen diese allerdings nicht zur Verfügung.

Rentabilitätsanalyse

Die Rentabilitätsanalyse beinhaltet die Kennzahlen Umsatzrentabilität, Kapitalumschlag und Gesamtkapitalrentabilität. Die Umsatzrentabilität hängt stark von der Attraktivität des Unternehmens ab, welche sich durch einzigartige, unverwechselbare Produkte, neueres Anlagevermögen, bessere Qualifikation und Motivation der MitarbeiterInnen und intensivere und professionellere Betreuung der Kunden etc. widerspiegelt. Der Kapitalumschlag, der die Effizienz des eingesetzten Kapitals beschreibt, ist neben der Umsatzrentabilität die entscheidende Bestimmungsgröße der Gesamtkapitalrentabilität. Erzeugende Unternehmen weisen in der Regel einen niedrigen Kapitalumschlag auf und müssen zur Erreichung einer adäquaten Gesamtkapitalrentabilität höhere Gewinnspannen erreichen. In der Abbildung 2 werden die Umsatz- und Gesamtkapitalrentabilität der Top-Betriebe beispielhaft angeführter Branche dargestellt (siehe Grafik rechts oben).

Kosten- und Leistungsstrukturanalyse

Die Kosten- und Leistungsstrukturanalyse hat in der laufenden betriebswirtschaftlichen Beratung einen hohen praktischen Stellenwert. Die aus der Jahresabschlussanalyse gewonnenen Material-/ Personal- und Sachaufwandsrelationen sind Grundlage für den unterjährigen Soll-/Ist-Vergleich und Basis für das Leistungsbudget. In diesem Zusammenhang sind der interne und externe Betriebsvergleich im Zeitablauf gleichermaßen von hoher Relevanz. Verbesserungspotentiale lassen sich beispielweise im Bereich des Materialverbrauchs und der Fremdleistungen durch die Überprüfung von Einkaufspreisen, Zahlungskonditionen, Kalkulation, Preispolitik, Qualitätskontrolle und Ablauforganisation identifizieren.

Kennzahlen der Liquidätsanalyse sind unter anderen der Cashflow in Prozent der Betriebsleistung und die Schuldentilgungsdauer. Der Cashflow in Prozent der Betriebsleistung der Top- Betriebe der Branchen Handwerk und Bau liegt im Durchschnitt zwischen 12 Prozent und 31 Prozent.

Produktivitätsanalyse

Die Produktivitätsanalyse misst die Effizienz anhand von Einsatz- und Ergebnisgrößen und stellt gewissermaßen Input- und Output-Relationen dar. Während bei der Bruttoproduktivität (Betriebsleistung/ Personalaufwand) das Maß für den Output die Betriebsleistung darstellt, wird bei der Nettoproduktivität (Rohertrag/Personalaufwand) der Rohertrag herangezogen. In der täglichen Beratungspraxis können diese Kennzahlen ergänzend verwendet werden. 

Während bei der Bruttoproduktivität das Maß für den Output die Betriebsleistung darstellt, wird bei der Nettoproduktivität der Rohertrag herangezogen. 

Kennzahlenanalyse Handwerk und Bau

Eine Auswahl der oben dargestellten Kennzahlen wird in den nachfolgenden Tabellen für ausgewählte Branchen des Bereichs Handwerk und Bau dargestellt. Die Auswahl erfolgte auf Basis der Branchenkennzahlen der KMU-Forschung Austria des Jahres 2015/16 Stand Juli 2017.4 Die angegebenen Kennzahlen stellen Branchenwerte der Top-Betriebe dar, dh aus dem Viertel der Betriebe mit dem besten Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT)/Ergebnis vor Steuern in Prozent der Betriebsleistung wird der Median berechnet. In der betriebswirtschaftlichen Beratung von Start-Up-Unternehmen einerseits, aber auch langjährigen Klienten andererseits wird man in der Regel auch auf kanzleieigene Branchen-Benchmarks zurückgreifen. Für die Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse von Unternehmen eignen sich Branchenkennzahlen wie jene der KMU-Forschung Austria oder anderer Quellen. Die Vergleichskennzahlen sollten zur Verprobung des eigenen Kennzahlenmaterials herangezogen werden und dienen als Orientierungshilfe. Jedoch sind diese im Einzelvergleich kritisch zu hinterfragen, da Branchenkennzahlen Unternehmensspezifika wie Größe, Alter und geografische Lage des Unternehmens etc. nicht berücksichtigen und es dadurch zu Verzerrungen in der Betrachtung kommen kann.

 

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