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Wie Arbeit im Wandel ist


Wolfgang Mazal will Lösungen für die Gesellschaft im zukünftigen 21. Jahrhundert aufzeigen

PORTRÄT. Wolfgang Mazal leitet das Institut für Arbeits- und Sozialrecht an der Universität Wien. Sein Standpunkt: Die Interpretation von Sozialpartnerschaft sollte sich verändern. Von Karin Pollack

  Der Terminkalender von Werner Mazal ist voll, sein Tag durchgetaktet. Das liegt auch daran, dass er gerade von einem Forschungsaufenthalt in Japan zurückgekommen ist. „Dort gibt es spannende Ansätze, wie das Leben in einer Gesellschaft geregelt wird, in der immer mehr Menschen immer älter werden“, erzählt er. Zudem hat er Sitzungen an der Universität, eine Diskussion in der Wirtschaftskammer. Aber um 15:15 an einem sonnigen Frühlingstag gibt es dann doch 45 Minuten Zeit, um über die Zukunft der Arbeit zu sprechen. „Digitalisierung, Globalisierung und die alternde Gesellschaft sind die großen Herausforderungen,“ sagt er. Es sind seine Kernthemen. Was ihm Sorgen bereitet: Auch die Institutionen, die in der Vergangenheit Großes geleistet haben, insbesondere in der Sozialpartnerschaft, seien nicht mehr auf der Höhe der Zeit und müssten an die heutigen Bedürfnisse des Arbeitslebens angepasst werden, ist er sich sicher.

Pensionen sind nur eines der vielen brisanten Themen seines Fachbereichs

Arbeitszeit, Altersteilzeit, Krankenversicherung, Karenz, Urlaub, Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Über all diese Themen hat Mazal viel nachgedacht und versteht es als seine Aufgabe als Universitätsprofessor, seine Expertise zur Verfügung zu stellen. „Arbeitsrechtliche Fragestellungen sind hochkompliziert und für Laien oft nicht leicht verständlich, obwohl jeder einzelne direkt davon betroffen ist“, sagt er. Und es gäbe auch niemals eine Lösung, die für alle gleichermaßen passe, sagt er, das sei das Trickreiche seines Fachgebiets, in dem viele gesellschaftliche Trends zusammenwirken.

Viele Gespräche hatte er auch mit Bundeskanzler Sebastian Kurz. „Als Jurist bin ich aber nicht Politiker, und schon gar nicht nur für eine Seite“, betont er, schließlich sei er nicht der Gesetzgeber, sondern „amalgamiere lediglich Prozesse“, die Lösungen für die Gesellschaft im zukünftigen 21. Jahrhundert aufzeigen. Wo er ansetzt? Bei der Sozialpartnerschaft. „Wir müssen alle gemeinsam wiederentdecken, dass die Dynamik für neue Regelungen nicht nur aus dem Wettstreit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kommt, sondern dass auch die Interessen des Staats eine wichtige Rolle spielen müssen“, sagt Mazal und plädiert daher für Tripartismus. In seiner langen Berufserfahrung hat er am Beispiel der Altersteilzeit live miterleben können, wie ein an sich gutes Gesetz ausgehöhlt und sinnentleert wurde, sagt er, und zielt auf die sozialpartnerschaftlichen Interessenvertretungen, denen es ein Anliegen sei, „alles, was nur geht, für ihre Leute rausholen zu wollen, und dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren.“

Das große Ganze war für Wolfgang Mazal aber schon immer der innere Antrieb. Geboren 1959 in Wien, wuchs er als Sohn eines Juristen im 19. Bezirk auf. Das Gefühl für Recht und Unrecht lernte er während der Schulzeit in der Gymnasiumstraße kennen, wo er eines Tages das Schulunterrichtsgesetz zur Lösung eines Konflikts brauchte. Mazal mochte Latein und Griechisch und fand, wie er sagt, deshalb auch an den Gesetzestexten Gefallen. „Was ist damit gemeint?“ ist dabei eine Grundfrage, die für ihn heute wie damals gilt. Dass er nach der Matura das richtige Studium an der juristischen Fakultät in Wien gewählt hatte, merkte er am zweiten Tag bei einer Kirchenrechtsvorlesung von Charlotte Leitmeier. „Klar, logisch und packend ist ihr Vortrag gewesen“, erinnert er sich. Leitmeier wurde sein großes Vorbild. Nach dem Studium begann er als Assistent am Institut für Kirchenrecht zu arbeiten.

Wie entstehen Normen? Wie werden sie formuliert? Und wie wirken sie? Mit diesen drei Grundfragen nähert sich Mazal sämtlichen juristischen Themen. Nach Abschluss des Studiums erkannte er nach einem kurzen Ausflug zu Price Waterhouse Cooper und dem Gerichtsjahr, dass er an der Universität bleiben wolle. 1989/90 verbrachte er ein Jahr mit einem Erwin-Schrödinger-Stipendium in Bayreuth. Er habilitierte sich 1991 zum Krankenversicherungsrecht und wurde 1992 zum Universitätsprofessor ernannt.

Einen zentralen Platz in seinem Leben nimmt seine Familie ein. Überhaupt Familie: Dieser Themenkomplex ist Mazal nicht nur ein persönliches Anliegen, sondern auch in fachlicher Hinsicht wichtig. Er erweiterte seine Expertise auf Fragen zu Familienforschung und -beziehungen, und ganz generell, sagt Mazal, nicht zuletzt deswegen, weil sein Weltbild von Anfang an der Katholischen Soziallehre verpflichtet gewesen ist.

Wie er es selbst mit der Arbeit hält

„Ich arbeite gerne und viel, nehme mir aber schon immer wieder Phasen der Entspannung“,

sagt Mazal, der jedoch den Begriff Work-Life-Balance kategorisch ablehnt – ja fast wütend darüber wird. Work-Life-Balance suggeriere, dass Arbeit und Leben einander entgegengesetzte Kräfte wären, was sie nicht seien. Statt „Life“ würde er lieber „Familien- und Freizeit“ setzen. Die Menschen, die zu viel arbeiten, haben meistens keine Zeit mehr für ihre sozialen Beziehungen, und das findet Wolfgang Mazal schlecht.

In seiner eigenen Freizeit kümmert sich Mazal mittlerweile um die sechs Enkelkinder, gräbt noch manchmal gerne den Garten um oder geht mit seiner Frau („der wichtigste Mensch in meinem Leben“) ins Theater und ins Konzert. „Wir hatten immer Abonnements, weil Kultur einfach auch ein wunderbarer Gegenpol zur Arbeit ist.“

Ergebnis unserer Umfrage:

Beruf oder Berufung, welchen Stellenwert hat Arbeit in eurem Leben?

Beruf: 51.11 %
Berufung: 48.89 %
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