ÖGWThema - page 8

E
s gibt Kämpfe, diewerdenmit großerVerve geführt.
Wenn Reformen im Gesundheitssystem anstehen,
geht es meist darum, auch die Ärzteschaft ins Boot
zu holen. Deren Standesvertreter sind für ihre Beharrlich-
keit in Verhandlungen legendär, und das seit Jahrzehnten.
Aktuell geht es um die Reform der Primärversorgung,
ehemals Hausärzte. Dass Ärzte künftig weniger als Einzel-
kämpfer undmehr in großenPraxisgemeinschaften arbeiten
werden, erfordert grundlegende Veränderungen. Sie bergen
Gefahren, ist Thomas Szekeres überzeugt und sieht die so-
lidarisch finanzierte Gesundheitsversorgung in Gefahr. Als
neuer Präsident derÄrztekammerwill er bei der „Weiterent-
wicklung“ aktiv mitgestalten. Deshalb hat er bei den Ver-
handlungen zum neuenGesetz der Primärversorgung in so
genannten PrimaryHealthCare-Zentren im Frühjahr auch
nicht locker gelassen.
„Das habe ich gerne gemacht, mich für andere einzuset-
zen“, sagtThomas Szekeresmit einwenignäselnder, typisch
wienerischer Stimme. Mit diesem kurzen Satz drückt er al-
lerdings auch sein berufliches Selbstverständnis aus, dem er
seit Anbeginn seinerKarriere treu ist.
Sohn vonUngarnflüchtlingen
Thomas Szekeres, Sohn von Ungarnflüchtlingen, geboren
1956, war schon in der Schule vorlaut. „Ich wollte Latein
abschaffen, weil ich den Sinn darin einfach nicht gesehen
habe“, sagt er. Später studierte er zwei Semester lang Jus, er-
kannte dann jedoch, dass er sich für dieMedizinwesentlich
mehr interessierte. NachAbschluss des Studiums landete er
inderLabormedizin amWienerAKH, spezialisierte sich auf
Krebs und begann, sich als Betriebsrat für die Belegschaft
zu engagieren.
Szekeres´Kampfgeist trautman ihm auf den erstenBlick
eigentlich gar nicht zu. Er ist nicht besonders groß, blickt
meistens ziemlich ernst hinter seiner Brille. Umso schärfer
sind allerdings seine Argumentationen in Debatten. Im
Zuge der Einsparungen im Spitalswesen sind auch Streiks
für ihn ein probates Instrument zur Durchsetzung von
Forderungen. Legendär ist sein Streit mit der ehemaligen
Wiener Gesundheitsstadträtin SonjaWehsely. Szekeres, seit
seinem16. LebensjahrMitglied inder SPÖ,wurde imZuge
der Querelen sogar aus der Partei ausgeschlossen, „dabei
hatte meine Funktion in der Ärztekammer rein gar nichts
mit meiner Parteizugehörigkeit zu tun“, erklärt Szekeres
Strategiemit Kalkül
PORTRÄT.
ThomasSzekeres ist seit Juni Präsident der österreichischenÄrztekammer. Er wird inden
nächsten Jahrendie InteressenderMediziner dieses Landes verteidigen. VonKarinPollack
personality
8
3/2017
©ÖÄK/Christian Leopold
„NeueFormender Zusammenarbeit von
Ärzten inunterschiedlichenFormationen
sindauchbetriebswirtschaftlichund
steuertechnisch eineHerausforderung
für denBerufsstand“, sagt der neue
Ärztekammerpräsident ThomasSekeres
1,2,3,4,5,6,7 9,10,11,12,13,14,15,16,17,18,...40